
Eine Anlage mit Geschichte
Die Brunnstube Kammri oberhalb von Wilderswil wurde 1958 erbaut und diente in erster Linie als Druckbrecher. Das Wasser aus dem Quellgebiet Nesslerenalp wurde damals über verschiedene solcher Anlagen auf das Bödeli geleitet. Druckbrecher bauen den durch den Höhenunterschied entstehenden Druck im Leitungsnetz ab und schützen so die Leitungen im Verteilnetz vor Schäden.
Mit dem Bau der Kraftwerke Geissbrunnen und Kammri im Saxettal Ende der 1990er-Jahre änderte sich die Situation grundlegend: Neu wurde der Druck nicht mehr einfach abgebaut, sondern über Turbinen zur Stromgewinnung genutzt. Im Zuge dieser Neuerung wurde die Brunnstube Kammri an die damals neuen Anforderungen angepasst.

Hoher Aufwand im Betrieb
Der Betrieb der Anlage und damit die Regulierung der Trinkwassermenge, die in das Verteilnetz und in die Reservoire geleitet wird, verlangten stets hohe Aufmerksamkeit und manuelle Eingriffe. Bei Störungen mussten unabhängig von Tageszeit oder Witterung umgehend Massnahmen vor Ort getroffen werden. Nur so konnte der Brunnenmeister die Trinkwasserqualität weiterhin gewährleisten.
Die bauliche Substanz der Brunnstube wurde über die Jahrzehnte sorgfältig unterhalten und befindet sich bis heute in einem guten Zustand. Die technischen Anlagen und Steuerungen entsprachen jedoch nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Es galt, ein umfassendes Sanierungskonzept zu entwickeln, um die Anlage zu modernisieren, die Effizienz im Betrieb zu steigern und die Sicherheit der Trinkwasserqualität weiter zu erhöhen. Ein zentrales Element dabei war die Automatisierung.


Automatisierte Überwachung
Im Zentrum des Umbaus stand die Neugestaltung des Zulaufs mit UV-Desinfektionsanlage und Verwurfsteuerung. Früher floss das Wasser über einen offenen Kanal in das Sammelbecken, heute durch geschlossene Chromstahlrohrleitungen. Darin sind mehrere Sicherheitseinrichtungen integriert, die den Betrieb laufend überwachen: Wird das Quellwasser nach einem starken Gewitter im Quellgebiet trüb, schaltet sich die Anlage automatisch ab. Sobald die Werte wieder stimmen, nimmt sie den Betrieb vollautomatisch wieder auf. Wie bisher sorgen vier UV-Lampen für die zuverlässige Entkeimung des Wassers.



Nach Monaten des Umbaus ist die Brunnstube Kammri fit für die Zukunft. Die Automatisierung reduziert den Betriebsaufwand und erhöht gleichzeitig die Sicherheit. So trägt die Anlage dazu bei, die Trinkwasserversorgung auf dem Bödeli auch weiterhin zuverlässig und in einwandfreier Qualität sicherzustellen.
Text: IBI